
Neuer Verband, neuer Präsident von Azemas Gnaden, Brahim Derwiche. Abb.: screenshot nettali.com
Die FIPJP ist sich als intransparenter Dachverband treu geblieben und hängte es nicht an die große Glocke, eine beiläufige Aufzählungsänderung auf der Homepage sollte genügen
Die Confederation Africaine des Sport Boules (CASB) hat bereits im Januar 2025, im Rahmen einer Generalversammlung in Dakar, Senegal, einberufen auf Grund einer nicht näher erläuterten "Petition", den Verbandsnamen geändert. Aus CASB wurde „Confederation Africaine des Sports Petanque“, kurz CASP. Delegierte von 17 der insgesamt 24 kontinentalen Nationalverbände haben der Änderung angeblich zugestimmt.
Der Verbandsvorsitz änderte sich ebenfalls und liegt nun in Händen des senegalesischen Verbandsvorstands Brahim Derwiche, einem französisch-senegalesischen Geschäftsmann, Pokerspieler und ehemaligen olympischen Sportschützen. Beglückwünscht wurde Derwiche vom Präsidenten der FIPJP, Claude Azema höchst persönlich, der extra angereiste die FIPJP-Konformität der Abläufe sowie Satzung und Geschäftsordnung kontrollierte.
Über eine eigene Homepage verfügt der Afrikaverband nicht, auf FB findet sich zum Machtwechsel das folgende Statement:
"Pétanque in Afrika: Platz frei für einen neuen Verband. Ein historischer Meilenstein für die Zukunft des Pétanque in Afrika. Der ehemalige CASB-Verband unter der Leitung von Herrn Idrissou wird von den internationalen Behörden aufgelöst und durch die neue CASP unter dem Vorsitz von Herrn Brahim Derwich aus Senegal ersetzt. Die CASP wird offiziell von der FIPJP anerkannt."
Damit setzte die FIPJP der Ära des Beniners Ibrahima Idrissou, der 20 Jahre den Afrikaverband führte, ein Ende. Der selbstbewusste "Hadj", 2006 sogar Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen im Lande Benin, war Azema mehrfach auf die Füsse getreten, zuletzt massiv, indem er sich u.a. vehement für marokkanische Funktionäre einsetzte, die Azemas FIPJP Mitte 2024 mit einem Bann belegt hatte. Gründe hierzu sind angeblich Übergriffe jugendlicher Spieler bei der WM in Bangkok, Verletzung der Aufsichtspflicht und im Falle Guermah beleidigende Äußerungen gegen Offizielle des Weltverbandes. Sadik Guermah berief der Beniner sogar in den Vorstand der CASB. ein Vergehen für das die FIPJP-Statuten schwere Sanktionen vorsehen.
Die Amtsenthebung kam also nicht aus heiterem Himmel, im Juli 2024 wurden Abgesandte der CASB die bei einem Besuch in Paris um Schönwetter anhielten von Azema rüde abgekanzelt, sowie der Entzug des Vertrauens und die Installierung eines gefügigen Verbandes im Sinne des Art. 62 der FIPJP-Statuten angedroht, sollten die Unbotmäßigkeiten fortdauern.
Ironie: Noch im Mai 2024, liess sich Idrissou am Hauptsitz der CASB in Cotonou bei einer außerordentlichen Hauptversammlung von den Delegierten breitschlagen und erneut zum Vorsitzenden der Konföderation wählen, obwohl er aufhören wollte und schon seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Wie einschlägige Netzportale übereinstimmend berichteten, werkelte der "Hadj" trotz Suspendierung als CASB-Präse aber unverdrossen weiter, gab offizielle Anweisungen und flammende Statements zur Einheit des afrikanischen Petanques heraus und initiierte unterstützt von Benins Präsident Talon ein Riesenpetanquefest anlässlich der 65. Jahrfeier zur Unabhängigkeit Benins, die "Nocturne de Petanque" Anfang August 2025 in Cotonou.
Aber: Womöglich ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Der marokkanische Verband, Halbfinalist bei der WM 2023 und zwangsweise absent bei der WM 2024 in Dijon klagte beim internationalen Sportgerichtshof CAS/TAS gegen die Suspendierung seiner Funktionäre und bekam Recht. FIPJP und Azema müssen die Sanktionen zurücknehmen und den betroffenen Funktionären die Anwaltskosten ersetzen. Damit fällt jener Vorwurf gegen die CASB, der letztlich die Auflösung nach Art. 62 der FIPJP-Statuten begründet - die Zusammenarbeit mit gesperrten Offiziellen - weg. Wie es scheint, hat der "Hadj" den "Feudalfürsten" doch noch ins Wanken gebracht. Hier der 31-seitige Schiedsspruch des CAS/TAS


