Beim Beitrag vom 1. April "Weltrangliste al gusto" handelt es sich um keinen Aprilscherz, die beschriebene Rangliste existiert und wird veröffentlicht von boulistemaroc.com. Ob es sich bei dem Konstrukt um die Beta-Version eines zukünftigen offiziellen FIPJP-Ranking handelt, ist nicht ersichtlich. Über den Urheber darf spekuliert werden, der Umfang der verarbeiteten Daten ist jedenfalls enorm. Vollständigkeit und Korrektheit können unterstellt werden.

Haben gut lachen, Horbs dritter Platz beim EuroCup 2025 zählt jetzt mit in der Petanque-Weltrangliste. Foto: petanque-aktuell.
Die Ankündigung ist vollmundig: "The world of pétanque is entering a new era" lautet der nicht gerade bescheiden klingende Begleittext zu Veröffentlichungen im Netz. Eine revolutionäre Welt-Rangliste soll die Kräfteverhältnisse im Weltpetanque neu ordnen.
Galten bislang nur FIPJP-Veranstaltungen als Basis für die Rangfolge der Nationen, sollen in Zukunft auch sämtliche Championnate der fünf Kontinentalverbände, sowie des obersten FWBP, hier zielt man auf ein evtl. Olympiaturnier und die World Games ab, in das Ranking einfließen.
Weltmeisterschaften sollen selbstverständlich höher bewertet werden als Europachampionnate, 100 zu 70 das Verhältnis, das Ranglistendesign sieht aber zwischen den Disziplinen , Altersklassen und Geschlechtern keine Bewertungsabstufungen vor. Für den Sieg bei einer Jugend-WM Tir mixed von 30 Minuten Dauer und 25 beteiligten Nationen gibt es nicht weniger Punkte als bei einem Weltchampionnat Triplette, Männer oder Frauen, für das sich 48 Nationen drei Tage abmühen müssen. Prinzip: Goldmedaille ist Goldmedaille, fertig.
Bei Kontinentalmeisterschaften gilt das gleiche Prinzip. Eine EM Tir Espoir feminin mit 9 Teilnehmerverbänden ist so wertvoll wie eine Seniors-Triplett-EM mit 40 Teams. Berücksichtigt man die jährliche Austragung der Espoirsmeisterschaften im Gegensatz zu den Meisterschaften aller anderen Altersklassen, dann darf man hier sogar vom doppelten Wert sprechen.
Die Meisterschaftsprogramme der Kontinentalverbände sind allerdings bei weitem nicht deckungsgleich, so stehen den vier jährlichen U23-Meisterschaften der CEP, aktuell Null entsprechende Afrikatitel gegenüber. Schön für europäische Verbände, die hier satte Punkte gutmachen gegenüber der auswärtigen Konkurrenz.
Grundsätzlich gilt für Kontinentalverbände, je mehr Veranstaltungen ausgetragen werden um so mehr Worldrankingpunkte sind zu ernten. Reiche Kontinental- und Nationalverbände werden klar im Vorteil sein, viele Veranstaltungen, viele (Fern-)Reisen, viele Punkte. Dadurch werden arme Schluckerverbände in Schach gehalten, Sperren durch die FIPJP waren und sind auch weiterhin probate Mittel der Ranglistenlimitierung.
Europa kann sich also nicht beklagen über das neue Bewertungssystem, der DPV sowieso nicht. Dank der letzten, vor allem europäischen Erfolge der DPV-Aktiven, auch Horbs dritter Platz beim EuroCup wird mitgezählt, belegt Deutschland aktuell Rang 8 knapp hinter Madagaskar und lässt dabei Weltklasse und -meisterverbände wie Tunesien, Kambodscha, Schweiz, Marokko, Algerien oder Benin hinter sich.
Die vom DPV, Petanque Australia und Sportmag.fr berichtete Verlegung der Petanqueweltmeisterschaft von Malaysia nach Thailand wirft Fragen auf, weil sich Weltverband, Veranstalter und Presse in Malaysia bislang in Schweigen hüllen und einzig FIPJP-Vorstandsmitglied und DPV-Präsident Dörhöfer seinen Schreiber im Verband von finanziellen Problemen als Ursache für den Wechsel berichten lässt.
Vielleicht steckt etwas anderes dahinter, denn Geld dürfte im wohlhabenden Malaysia eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ein Blick auf die aktuelle politische Weltlage mit dem Nahostkrieg und den Beziehungen zwischen Malaysia und Israel erlaubt eine andere Betrachtung.
Beim europäischen Qualifikationsturnier der FIPJP Ende November in Luxemburg brachte das israelische Team mit einem dritten Platz und der damit verbundenen Qualifikation für die WM das islamistische Malaysia und die FIPJP ungewollt in echte Kalamitäten.
Malaysia unterhält keine offiziellen diplomatischen Beziehungen zu Israel, unterstützt die Hamas und erkennt Palästina als eigenen Staat an. Man ist sich in herzlichem Hass verbunden. Es existiert ein Einreiseverbot für israelische Sportler*innen, 2019 musste Malaysia deswegen die Para-Schwimmweltmeisterschaften und 2021 das Squash-Weltchampionnat abgeben. Probleme bei der Petanque-WM waren damit vorprogrammiert.
Ein eiligst ausbaldowerter Fahrplan für die Verlegung der Petanque-WM ins ebenfalls autoritär geführte Nachbarland Thailand, dort dürfen Israelis rein, hilft nun allen Beteiligten aus der Zwickmühle und verhindert eine offene Konfrontation. Da darf man den südostasiatischen Komissköpfen direkt dankbar sein.
So würde ein passender Schuh aus der Geschichte und Malaysias angebliche Geldnöte blieben wahrscheinlich der unbeholfene Versuch von "Transparency-Mike" seiner Kundschaft einen Bären aufzubinden.
Drei Malaienbären im Alten Zoo von Medang. Foto: Sakurai Midori, wikimedia commons.
Nachtrag 04.04.2026: Wer interessiert ist, findet hier Lesestoff zum sehr angespannten Verhältnis von Israel und Malaysia. Der Beitrag wurde vor 2 Monate einem Faktencheck unterworfen. Seitdem hat der Angriff der USA und Israel auf den Iran die Lage sicherlich nicht entschärft oder die Inhalte des verlinkten Beitrags auf den Kopf gestellt.

Trans-Tasman beschreibt das besondere Verhältnis der beiden südpazifischen Nationen Australien und Neuseeland, die durch die Tasmansee getrennt werden. In fast allen Sportarten kommt es, wen wunderts, zu regelmässigen zweiseitigen "Trans-Tasman-Challenges" Australiens Petanquer gingen bei der nun bereits zwanzigsten "Pay-tonk"-Auseinandersetzung mit ihren Überseenachbarn im australischen Mount Martha Bowls und Petanque Club am 21. und 22. März 2026 als Sieger hervor. Die Resultate.
Foto: PA
Das Bundeskabinett hat heute am 25. März das Sportfördergesetz des Bundes beschlossen und auf die Reise des parlamentarischen Verfahrens durch Bundesrat und Bundestag geschickt.
Das als Referentenentwurf vorliegende Gesetze soll den deutschen Spitzensport im internationalen Vergleich stärken und zu mehr Erfolg verhelfen. Die Ausbeute deutscher Sportler bei Olympia, Paralympics, Weltmeisterschaften und Worldgames war in den vergangenen Jahren rückläufig. Das soll geändert werden. Kernstück des neuen Gesetzes wird die vieldiskutierte sogenannte Spitzensport-Agentur mit Sitz in Leipzig sein, die in Zukunft die unabhängig entscheidet bei der Vergabe der Fördergelder aus dem Steuerhaushalt. Die Agentur ist als Stiftung des öffentlichen Rechts aufgebaut, ein neunköpfiger Stiftungsrat, ein Vorstand mit zwei Mitgliedern und ein Sportfachbeirat mit bis zu 15 Expert*innen zeichnen für die Geschäfte verantwortlich. Die Rechtsaufsicht über die Spitzensportagentur wird beim Bundeskanzleramt liegen.
Im Vorfeld ist das Wehklagen beim DOSB groß, bis dato hatte man ziemlich freie Hand bei der Verteilung der Gelder, nun möchte der Geldgeber über die Verteilung selbst bestimmen. Ob das Gesetz letztlich so kommt wie im Gesetzesentwurf vorgesehen oder im politischen Prozess noch verändert wird, bleibt abzuwarten.
Hier gehts zum Gesetzesentwurf
World bowls, der internationale Verband für Bowlssportarten, der eine Beteiligung von Lawnbowls an den Olympischen Sommerpielen und Paralympics 2032 in Brisbane anstrebt, ist dem von Claude Azema geführten Kugelsportweltverband WPBF beigetreten.
Die Mitgliedschaft war für World Bowls unumgänglich, weil die WPBF den einzigen vom IOC anerkannten Dachverband für Kugelsport darstellt. Anträge eines jeglichen Kugelsports auf Olympiateilnahme gehen nur über Azemas Monopolverband. World Bowls war bereits Mitglied im WPBF-Vorgängerverband CMSB, ist aber wegen "kultureller Unverträglichkeiten" beizeiten wieder eigene Wege gegangen.
Ob diese neuerliche "Liaison" über Brisbane hinaus hält? Zweifel sind angebracht, die soziologische, gesellschaftliche und kulturelle Kluft zu den in "papistisch-frankoromanischer Kultur gewachsenen und von Petanque dominierten Männerboulesportkreisen" ist gewaltig.

Potentiell landwirtschaftliches Gelände statt Bouleterrain. Bildschirmfotofr3
Der Baubeginn des 2022 beschlossenen Baus eines Nationalen Boulesport-Leistungszentrums durch den französischen Verband für Petanque und Jeu provençal FFPJP im Ardèche-Dörfchen Chomérac zieht sich hin.
Der Umweltschutz hat Vorbehalte gegen das 10-Millionen-Projekt auf der grünen Wiese angemeldet, sieht sowohl Artenvielfalt, als auch die Ruhe der Anwohner sowie das geschützte Ortsensemble bedroht. Eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung wird das Projekt nun weiterhin verzögern. Umweltschützer betrachten den geplanten Baugrund als "un terrain potentiellement agricole". Auch die regionale Umweltbehörde MRAe entschleunigt das Verfahren durch eher gemächliche Gangart, konnte sie doch erst im Oktober vergangenen Jahres Empfehlungen aussprechen, die in die nun laufenden Verträglichkeitsprüfungen einfließen sollen.
Ob die Bauarbeiter wie von anderer Seite sehnlichst erhofft in 2026 anrücken können, erscheint zweifelhaft. François Arsac, Mitte-Rechts-Bürgermeister hält alles für absolut überflüssig und unverantwortlich. Eine Studie im Auftrag der Gemeinde sieht nämlich durch das "Centre Michel Debois" nichts und niemanden gefährdet, sondern vielmehr eine einmalige Chance für Chomérac.
Quellen: applo.clubeo.com, ledauphine.com, fr3
Bemerkung: Frankreich hat übers Land verteilt eine Unzahl an Hallen, Terrains und Einrichtungen für den Kugelsport. Petanquer*innen in Frankreich geht nichts ab. 10 Millionen Euro, dabei wird es wahrscheinlich nicht bleiben, nur für die Befriedigung der Prunksucht eitler Funktionäre sind vergeudetes Geld, das dezentral im Schul-, Jugend- und Kindersport weitaus zukunftsträchtiger angelegt wäre.